Ein Krankenpfleger aus einem Hospiz zu Besuch in der katholischen Religionsgruppe 10 B/C
Sterben? Was für ein Thema?!, dachten wir am Anfang der Unterrichtsreihe. Dann wurde immer deutlicher, dass Leben und Tod eng miteinander verbunden sind und dass das Thema keine Frage des Alters ist. Innerhalb der Reihe besuchte uns ein Krankenpfleger Herr Buchgeister aus dem Hospiz St. Vinzenz in Köln-Nippes, um uns das Hospiz und seine Arbeit vorzustellen. Da wir jetzt finden, dass die Beschäftigung mit diesem Thema eigentlich dazu führt, sein Leben mehr wertzuschätzen, möchten wir gerne darüber berichten.
Das Wichtigste zuerst: Im Hospiz geht es nicht um eine Sterbebegleitung! Ein Begriff, der häufig parallel zu Sterbehilfe (aktive/passive), in den Medien genannt wird, sondern um LEBENSbegleitung bis zum Tod. Im Hospiz geht es um die intensive Symptomkontrolle und Behandlung der Krankheit, vor allem um Schmerzlinderung. Das Konzept ist "total pain" und man spricht von palliativer Medizin. "Palliativ" kommt von Mantel, der die Patienten "schützen" bzw. möglichst weitestgehend schmerzlindernd "umhüllen" soll.
Die Gründerin des ersten Hospizes war Cicely Saunders (1918 in England geboren). Sie war sowohl Krankenschwester als auch Sozialhelferin und Ärztin. Deswegen kannte sie das Leben von Sterbenden aus mehreren Perspektiven. Es ging ihr beim ersten Hospiz darum, die Lebensqualität der Sterbenden so gut es ging bis zuletzt zu erhalten und gegebenenfalls sogar noch zu verbessern. Diese Blickwinkel und Ziele kennzeichnen bis heute die Arbeit in Hospizen.
Der Mensch steht im Mittelpunkt und wird unter folgenden vier Aspekten betrachtet und betreut:
- somatisch (körperlich),
- psychisch (seelisch),
- sozial (gesellschaftlich und in Beziehungen lebend) und
- spirituell (geistlich, Sinn suchend).
Dementsprechend gibt es viele verschiedene Arbeitsfelder im Hospiz, die sich in vier Gruppen gliedern lassen und die Herr Buchgeister durch viele Fotos und Erfahrungsberichte veranschaulichte:
- Pflege (Medizin, Essen, Waschen und Pflegen, Physiotherapie etc.),
- Psychologie (Gespräche mit den Patient/inn/en, aber auch mit Familienangehörigen, Maltherapie etc.),
- Sozialarbeit (Angebot von gemeinsamen Feiern, Ausflügen, Mahlzeiten, Spielen, Musizieren, aber auch wenn gewünscht Alleinsein, ambulante Helfer und Helferinnen, kreative Angebote etc.)
- und Seelsorge (Gedenkfeiern, Gebete, gemeinsames Singen etc.)
Herr Buchgeister wies eindrücklich daraufhin, dass bei allen „Arbeiten“ der Mensch in seiner Ganzheit berücksichtigt wird und dass diese umfassende Betreuung nur geleistet werden kann, da sowohl Hauptamtliche wie Ehrenamtliche gut zusammen arbeiten.
Deutlich machen die Zahlen des Hospizes, wie sehr der Mensch im Zentrum steht: Im St. Vinzenz Hospiz gibt es 9 Einzelzimmer und 9 Pflegestellen.
Interessant war auch der kurze Überblick über sogenannte Phasen des Sterbens, die von Elisabeth Kübler-Ross (1926 in der Schweiz geboren und 2004 in den USA gestorben) durch Interviews mit Sterbenden im Jahre 1969 festgestellt wurden:
- Leugnung (ich doch nicht)
- Zorn (sich gegen das Schicksal wehren)
- Akzeptanz (annehmen)
- Verhandeln (wenn ich das noch erleben darf, dann ...)
- Depression (Niedergeschlagenheit)
Beeindruckend war es auch für uns zu erfahren, wie Herr Buchgeister über seine Arbeit und die Menschen sprach. Er sprach über Nähe und Distanz, über Freude und Traurigkeit und über das Sterben, was zur Arbeit gehört und wie das Leben trotzdem immer weiter geht und dass es dennoch immer wieder Momente gibt, wo es doch wieder schwer ist ...
Wir staunten sehr, wie das zuerst etwas Angst einflößende Thema bunt, lebensfroh und sehr berührend wurde. Wir waren so begeistert, dass wir eine Kuchenaktion organisierten. Das Geld, was wir erhielten, brachten zwei Schülerinnen von uns ins Hospiz und übergaben es dort Herrn Buchgeister. Wir wünschen ihm und allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Hospizes St. Vinzenz weiterhin viel Kraft aber auch Freude an ihrer sinnvollen und wichtigen Arbeit.
von Anna Houben, verantwortlich: Frau C. Müller



